Schach
Grundlagen des Schachspiels lernen - Teil 2
Mit dem menschlichen Auge ist es manchmal etwas vertrackt. Die Wahrnehmung ist getrübt, weil wir uns auf bestimmte Meinungen versteift haben. Beim Schach kann das manchmal ganz schön hinderlich sein.
In einer Partie Krusnetzov-Kralin ist folgende Stellung entstanden.

Diese Stellung taucht als Aufgabe in einem Lehrbuch auf mit Weiß am Zug.
Von der Aufgabenstellung her wird relativ schnell deutlich, worum es geht. Es ist offensichtlich eine Endspiel-Stellung und somit die Frage:
Kann Weiß das gewinnen oder kann Weiß das Remis halten?
Die Merkmale dieser Stellung sind ganz eindeutig. Und der vorgerückte Bauer auf e7 lässt einen an der Frage nachdenken: Wie kann Weiß das gewinnen?
Und dann hat die Stellung eine gewisse Einfachheit, weil gar nicht soo viele
Züge möglich sind:
* ein einziger Königszug,
* neun Läuferzüge,
* und ein Bauernzug mit vier Umwandlungsmöglichkeiten.
Und von diesen - sagen wir - 14 Zugmöglichkeiten kann man ganz einfach 1-2-3 ... ja, wie viele eigentlich - alle 14 ausschließen. Oder doch nicht?
Schaut selbst, ob Euch das Auge einen Streich spielt. Für mich war diese Aufgabe ein Beispiel "optischer Täuschung" beim Schach.
Für weniger Fortgeschrittene habe ich noch ein paar Arbeitsfragen für diese Stellung.
Wo verliert man eine Schachpartie?
Meine im folgenden geschilderte Partie habe ich durch einen Sehfehler vom Übergang des Mittelspiels ins Endspiel verloren, als mir mit einem Qualitätsopfer ein Verteidiger geraubt wurde, der eine Springergabel abdeckte. Beim genaueren Studium allerdings wird man feststellen, dass diese Position erst zugelassen wurde durch eine Nachlässigkeit in der Eröffnung (im 10. Zug !). Immerhin - es war nicht nötig, meine Figur in diese Gefahr hineinzubegeben, aber das entsprach in dem Moment meinen weiteren Plänen und der "Ausweichzug" hätte die Initiative abgegeben. Schauen wir uns die Eröffnung - ich wählte die Englische - einmal an:
In meiner Partie gegen Vollmeier (DSK) am 21.03.2010 ist
nach
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Ich spielte nun 10. Le3 (obwohl dadurch der Bauer e2 eingesperrt wurde, was ich jedem Schachschüler untersage ... aber der Läufer f1 steht ja auch auf g2). Meine Gedanken waren: Die Dame wird nach Le6 und Sd4 auf d2 landen und die Türme kann ich dann nach d1 und c1 spielen.
| Und nach einiger Zeit war dieses Bild erreicht:
Der Springer f3 hatte zwischenzeitlich noch einen Läufer abtauschen können und die anderen Springer wurden soeben auf c3 getauscht. Allerdings habe ich auch ein Problem (das ich seit der Eröffnung mitschleppe): Der Läufer auf e3 hat keine Perspektive, anders der Springer auf d4. Je nach Fortgang droht er immer mal e2 mit Schach zu schlagen, was zum Teil auch Gabeln mit sich zieht (ich konnte z.B. zuletzt nicht Dxc3 spielen wegen Familienschach). |
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Also muss man diesen Springer vertreiben, evtl. auch den König nach h1 ziehen und eine Perspektive für den Läufer e3 schaffen. Also zog ich f4, mein Gegner Lf6, nach Tausch auf e5 - immerhin ein Problem weniger - muss ich aber den Tc3 wieder bewegen (sonst Sxe2+ - Dxe2 - Lxc3), tauschte dann die schwarzfeldrigen Läufer ab und zog e4. Da inzwischen die Türme in der e-Linie standen, war dann nach fxe4, Lxe4, Txe4 das Malheur da: der Turm hat soeben den Weg für die Springergabel Sf3+ geöffnet, also kann ich den Turm nicht wiedernehmen.
Das führt nahtlos zu der Ansicht, dass der Läufer auf e3 fehlplatziert war, weil so e3 lange nicht möglich war und der Springer auf d4 die entscheidende schwarze Waffe ist. Wo gehört der Läufer stattdessen hin: nach b2! - was im übrigen auch thematisch ist.
Wie kann man das erreichen?
Indem man im 10. Zug nicht Le3 spielt, sondern etwas anderes. Aber was? Welche der Figuren will ich bewegen? Einen Bauer will ich nicht ziehen, e2 will ich erst dann ziehen, wenn der Springer schon auf d4 steht (um einen Zug zu gewinnen). Die Dame will ich von b3 auch erst dann über c2 nach d2 überführen, wenn Le6 und Sd4 gespielt werden.
b2 kann ich noch nicht ziehen, also kann ich den Läufer c1 auch nicht bewegen. Wenn ich nicht Kh1 spielen will, was kein Angriffszug ist, gibt es nur eine Möglichkeit: 10. Td1 !
| Wenn alles Weitere dann wie gehabt gespielt wird, wird folgende Stellung (nach zuletzt f7-f5) erreicht. Hier ist lediglich die Frage, ob der Springer e4 nun etwas Sinnvolles hat, oder ob einen Zug zuvor statt b3 doch erst e3 zu spielen ist. In dieser Stellung ist das Feld c3 für den Springer schlecht wegen Sxc3, Dxc3, Sxe2+. Man müsste also Sg5 spielen. Oder eben vorher den lästigen Springer d4 vertreiben, dann kann man nach b3, f5 den Springer nach c3 spielen und hat eine rundum gesunde Stellung. | ![]() |
Ich bin gespannt auf meine nächste englische Partie, in der dieses Abspiel auf das Brett kommt ...
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5. Runde Vereinsmeisterschaft,
Pfaff gg Ruhl ![]() |